Hörsturz – plötzlich schlechter hören? Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr ist für die meisten Betroffenen ein beunruhigendes Erlebnis. Häufig wird das Ohr zunächst als „verstopft“ wahrgenommen oder man vermutet einen Ohrenschmalzpfropf. Tatsächlich kann sich dahinter jedoch ein akuter Hörsturz (sudden sensorineural hearing loss) verbergen.
Ein plötzlicher Hörverlust sollte zeitnah durch einen HNO-Facharzt abgeklärt werden. Je früher die richtige Diagnose Hörsturz gestellt wird, desto rascher kann eine geeignete Behandlung eingeleitet und andere Ursachen ausgeschlossen werden.
Was ist ein Hörsturz?
Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Innenohrhörverlust, der meist nur ein Ohr betrifft und innerhalb von Sekunden bis wenigen Stunden entsteht. Die Ursache bleibt trotz moderner Diagnostik häufig unklar. Man spricht deshalb von einem idiopathischen Hörsturz.
Typischerweise berichten Betroffene über:
plötzlich schlechteres Hören auf einem Ohr
Druck- oder Wattegefühl im Ohr
Ohrgeräusche (Tinnitus)
verzerrtes Hören
gelegentlich Schwindel
Schmerzen bestehen in der Regel nicht.
Nicht jeder plötzliche Hörverlust ist ein Hörsturz
Ein plötzlich schlechtes Hören kann zahlreiche Ursachen haben. Deshalb ist eine HNO-ärztliche Untersuchung wichtig.
Mögliche Differentialdiagnosen sind unter anderem:
Ohrenschmalzpfropf
Mittelohrerguss
akute Mittelohrentzündung
Lärmschaden oder Knalltrauma
Morbus Menière
Innenohrentzündung
selten Erkrankungen des Hörnerven (z. B. Vestibularisschwannom)
Erst nach Untersuchung des Ohres und einer Hörprüfung lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein Hörsturz vorliegt.
Welche Ursachen hat ein Hörsturz?
Die genaue Ursache eines idiopathischen Hörsturzes ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Diskutiert werden verschiedene Mechanismen, unter anderem:
vorübergehende Durchblutungsstörungen des Innenohres
entzündliche Prozesse
Virusinfektionen
Immunreaktionen
Stoffwechselveränderungen
oxidativer Stress
Wahrscheinlich handelt es sich nicht um eine einzelne Ursache, sondern um unterschiedliche Mechanismen, die letztlich zu einer Funktionsstörung der empfindlichen Haarzellen im Innenohr führen.
Spielt Stress eine Rolle?
Viele Patienten berichten über eine belastende Lebensphase vor dem Auftreten eines Hörsturzes. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Hörsturz, ein direkter ursächlicher Zusammenhang konnte jedoch bisher nicht eindeutig bewiesen werden.
Stress sollte daher eher als möglicher begünstigender Faktor und nicht als alleinige Ursache verstanden werden.
Welche Symptome treten auf?
Ein Hörsturz verursacht meist:
plötzlich vermindertes Hörvermögen auf einem Ohr
Druck- oder Wattegefühl
Ohrgeräusche (Tinnitus)
verzerrtes Hören
Schwierigkeiten beim Telefonieren
erschwertes Richtungshören
Etwa ein Teil der Patienten entwickelt zusätzlich Schwindel. Das Vorliegen von Schwindel kann mit einer ungünstigeren Prognose verbunden sein.
Ist ein Hörsturz ein Notfall?
Ein Hörsturz ist zwar kein lebensbedrohlicher Notfall, sollte jedoch als akute HNO-Erkrankung betrachtet werden.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto schneller kann eine Behandlung begonnen und andere ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Aktuelle Studien empfehlen einen Behandlungsbeginn innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn.
Warten Sie daher nicht lange ab, sondern vereinbaren Sie möglichst rasch einen Termin bei einem HNO-Facharzt.
Wie erfolgt die Diagnose?
Nach einem ausführlichen Gespräch folgen verschiedene Untersuchungen.
Dazu gehören insbesondere:
Ohrmikroskopie bzw. Otoskopie
Hörprüfung (Tonaudiometrie)
Tympanometrie bei Bedarf
Abhängig vom Befund können weitere Untersuchungen notwendig werden, beispielsweise eine Magnetresonanztomographie (MRT), insbesondere bei anhaltendem einseitigem Innenohrhörverlust.
Behandlung des Hörsturzes
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß des Hörverlustes, den Begleitsymptomen und möglichen Vorerkrankungen.
Kortisontherapie
Kortison stellt derzeit die wichtigste Behandlung des idiopathischen Hörsturzes dar. Es kann abhängig vom individuellen Fall in der Regel als Tablette verabreicht werden.
Intratympanale Kortisoninjektion
Bei ausgeprägtem Hörverlust, fehlender Besserung oder wenn eine systemische Kortisontherapie nicht möglich ist, kann Kortison direkt durch das Trommelfell in das Mittelohr eingebracht werden.
Dadurch erreicht eine hohe Wirkstoffkonzentration das Innenohr, während der restliche Körper nur gering belastet wird. Diese Therapie ist in internationalen Leitlinien als primäre oder ergänzende Behandlung etabliert. Die Injektion erfolgt in lokaler Betäubung und somit schmerzfrei.
Hyperbare Sauerstofftherapie
In ausgewählten Fällen kann zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie sinnvoll sein. Der Nutzen hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Behandlung und dem Schweregrad des Hörsturzes ab.
Wie sind die Heilungschancen?
Die Prognose eines Hörsturzes ist insgesamt günstig, jedoch sehr unterschiedlich.
Ein Teil der Hörstürze bessert sich auch ohne Behandlung. Andere Patienten behalten trotz Therapie eine dauerhafte Hörminderung zurück.
Die Prognose hängt unter anderem ab von:
Ausmaß des Hörverlustes
Zeitpunkt der Behandlung
Begleitschwindel
Alter
Begleiterkrankungen
Eine individuelle Vorhersage ist zu Beginn leider nicht möglich.
Kann man einem Hörsturz vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gegen einen idiopathischen Hörsturz gibt es nach heutigem Wissensstand nicht.
Dennoch empfiehlt sich ein allgemein gesunder Lebensstil mit:
regelmäßiger Bewegung
guter Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes
Verzicht auf Nikotin
ausreichendem Schlaf
sinnvoller Stressreduktion
konsequentem Gehörschutz bei starker Lärmbelastung
Diese Maßnahmen fördern die allgemeine Gefäß- und Innenohrgesundheit, können einen Hörsturz jedoch nicht sicher verhindern.
Wann sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen?
Suchen Sie möglichst rasch einen HNO-Facharzt auf, wenn:
Sie plötzlich auf einem Ohr schlechter hören,
ein neu aufgetretener Tinnitus besteht,
ein starkes Druckgefühl ohne Erkältung auftritt,
zusätzlich Schwindel besteht oder
Sie sich unsicher sind, ob ein Hörsturz vorliegen könnte.
Eine frühzeitige Untersuchung ermöglicht eine rasche Diagnose und die Einleitung einer individuell passenden Behandlung.
Hörsturz – Behandlung in meiner Ordination
In meiner Ordination erfolgt die rasche Abklärung eines plötzlichen Hörverlustes mit moderner Hördiagnostik und HNO-ärztlicher Untersuchung.
Je nach Befund bespreche ich mit Ihnen die individuell sinnvollste Therapie. Dazu gehören konservative Kortisonbehandlungen ebenso wie – sofern medizinisch sinnvoll – intratympanale Kortisoninjektionen, bei denen das Medikament direkt über das Mittelohr an das Innenohr gebracht wird.
Häufige Fragen zum Hörsturz
Kann ein Hörsturz von alleine wieder verschwinden?
Ja. Ein Teil der Hörstürze bessert sich auch ohne Behandlung teilweise oder vollständig. Da jedoch nicht vorhersehbar ist, bei wem dies der Fall sein wird und hinter den Beschwerden auch andere Erkrankungen stecken können, sollte jeder plötzliche Hörverlust möglichst rasch HNO-ärztlich abgeklärt werden.
Ist ein Hörsturz ein Notfall?
Ein Hörsturz ist zwar in der Regel nicht lebensbedrohlich, sollte aber als akute HNO-Erkrankung betrachtet werden. Eine frühzeitige Untersuchung ermöglicht eine rasche Diagnose und gegebenenfalls den Beginn einer Kortisontherapie sowie den Ausschluss anderer Erkrankungen.
Wie erkenne ich einen Hörsturz?
Typisch ist ein plötzlich auftretender Hörverlust auf einem Ohr. Viele Betroffene beschreiben ein Wattegefühl oder das Gefühl, als sei das Ohr verstopft. Häufig treten zusätzlich Ohrgeräusche (Tinnitus) oder ein Druckgefühl auf. Schmerzen bestehen meist nicht.
Kann ein Hörsturz beidseitig auftreten?
In den meisten Fällen betrifft ein Hörsturz nur ein Ohr. Ein beidseitiger Hörsturz ist selten und sollte besonders sorgfältig abgeklärt werden.
Ist ein Hörsturz dasselbe wie ein verstopftes Ohr?
Nein. Auch ein Ohrenschmalzpfropf, ein Mittelohrerguss oder eine Mittelohrentzündung können zu einem verminderten Hörvermögen führen. Erst eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Hörtest kann unterscheiden, ob tatsächlich ein Hörsturz vorliegt.
Hilft Kortison wirklich?
Kortison gilt derzeit als wichtigste Behandlung des idiopathischen Hörsturzes und wird in internationalen Leitlinien empfohlen. Es kann als Tablette, Infusion oder – in geeigneten Fällen – direkt über das Trommelfell in das Mittelohr verabreicht werden.
Wann ist eine Kortisoninjektion ins Mittelohr sinnvoll?
Eine intratympanale Kortisoninjektion kann bei stärkerem Hörverlust, unzureichender Besserung unter Tabletten oder Infusionen oder wenn eine systemische Kortisontherapie nicht möglich ist sinnvoll sein. Das Medikament gelangt dabei direkt an das Innenohr und belastet den restlichen Körper kaum.
Kann Stress einen Hörsturz auslösen?
Stress allein gilt nach heutigem Wissensstand nicht als direkte Ursache eines Hörsturzes. Studien zeigen jedoch, dass psychische Belastungen ein möglicher begünstigender Faktor sein können.
Darf ich nach einem Hörsturz Sport treiben?
In den ersten Tagen empfiehlt sich körperliche Schonung. Nach Abschluss der Akutbehandlung kann die sportliche Aktivität in der Regel schrittweise wieder aufgenommen werden. Besprechen Sie dies individuell mit Ihrem behandelnden HNO-Arzt.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Erholung kann wenige Tage bis mehrere Wochen dauern. Manche Patienten erholen sich vollständig, bei anderen bleibt eine teilweise Hörminderung oder ein Tinnitus bestehen.
Bleibt ein Tinnitus nach einem Hörsturz dauerhaft?
Nicht unbedingt. Bei vielen Patienten bessern sich die Ohrgeräusche parallel zur Erholung des Hörvermögens.
Muss bei einem Hörsturz immer ein MRT durchgeführt werden?
Nein. Ein MRT ist nicht bei jedem Patienten notwendig. Es wird vor allem empfohlen, wenn der Hörverlust bestehen bleibt, wiederholt auftritt oder der Verdacht auf eine Erkrankung des Hörnerven besteht.
Kann ich mit einem Hörsturz fliegen?
Ein Hörsturz allein stellt meist keinen Grund dar, auf eine Flugreise zu verzichten. Ob Fliegen unmittelbar nach einem akuten Hörsturz sinnvoll ist, sollte jedoch individuell mit Ihrem HNO-Arzt besprochen werden.
Kann ein Hörsturz erneut auftreten?
Ja. Ein erneuter Hörsturz ist möglich, insgesamt jedoch eher selten. Ein gesunder Lebensstil ist grundsätzlich empfehlenswert, eine sichere Vorbeugung gegen einen Hörsturz gibt es jedoch nicht.
Wann sollte ich sofort einen HNO-Arzt aufsuchen?
Suchen Sie möglichst rasch einen HNO-Arzt auf, wenn Sie plötzlich auf einem Ohr schlechter hören, neu aufgetretene Ohrgeräusche bemerken oder zusätzlich Schwindel entwickeln. Je früher die Ursache abgeklärt wird, desto schneller kann eine geeignete Behandlung eingeleitet werden.

