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Zungenbrennen – Ursachen, Abklärung und Behandlung

bernhardjjank
31. Aug.
7 Min. Lesezeit

Ein Brennen der Zunge kann sehr belastend sein. Manche Patienten beschreiben ein leichtes Kribbeln oder Wundgefühl, andere einen ausgeprägten brennenden Schmerz, obwohl die Zunge meist normal aussieht. Häufig bestehen die Beschwerden über Wochen oder Monate, bevor eine Ursache gefunden wird. Lässt sich trotz sorgfältiger Abklärung keine Ursache finden, kommt ein Burning-Mouth-Syndrom (BMS) als Ausschlussdiagnose infrage.

Wichtig ist zunächst die Unterscheidung: Zungenbrennen ist ein Symptom und nicht automatisch BMS.

Hinter den Beschwerden können Erkrankungen der Mundschleimhaut, Mangelzustände, Infektionen, Medikamente, Mundtrockenheit oder andere Ursachen stehen. Erst wenn sich trotz sorgfältiger Abklärung keine solche Ursache nachweisen lässt, kommt ein primäres Burning-Mouth-Syndrom infrage.



Wie fühlt sich Zungenbrennen an?


Die Beschwerden werden sehr unterschiedlich wahrgenommen. Patienten beschreiben häufig:


  • Brennen oder Hitzegefühl der Zunge

  • Wundes Gefühl

  • Kribbeln oder elektrisierendes Gefühl

  • unangenehmes Mundgefühl

  • trockenen Mund

  • veränderten oder metallischen Geschmack


Besonders häufig betroffen sind die Zungenspitze und die vorderen seitlichen Zungenabschnitte. Die Beschwerden können aber auch Lippen, Gaumen oder andere Bereiche der Mundschleimhaut betreffen.

Bei manchen Patienten beginnen die Beschwerden bereits am Morgen, bei anderen nehmen sie im Laufe des Tages deutlich zu.



Welche Ursachen kann Zungenbrennen haben?


Die möglichen Ursachen sind vielfältig. Deshalb ist eine genaue Untersuchung der Mundhöhle besonders wichtig.


Erkrankungen der Mundschleimhaut


Zunächst muss ausgeschlossen werden, dass eine sichtbare Erkrankung der Schleimhaut vorliegt.


Mögliche Ursachen sind beispielsweise:


  • Pilzinfektionen (orale Candidose)

  • Entzündiche Erkrankungen der Munschleimhaut (Lichen planus, lichenoide Schleimhautreaktionen)

  • Aphthen

  • mechanische Irritationen (z.B. durch scharfe Zahnkanten oder habituelles Pressen)

  • Kontaktreaktionen z.B. auf Zahnmaterialien oder Lebensmittel

  • Schleimhautveränderungen durch Zahnprothesen oder Zahnersatz


Auch eine sogenannte Landkartenzunge (Lingua geographica) kann bei manchen Menschen mit Brennen oder einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln verbunden sein.


Können Vitamin- oder Eisenmangel Zungenbrennen verursachen?


Ja. Bestimmte Mangelzustände können mit Veränderungen oder Missempfindungen der Zunge einhergehen.

Je nach Anamnese und Befund kann deshalb eine Blutuntersuchung sinnvoll sein. Dabei können unter anderem bestimmt werden:


  • Blutbild

  • Eisenstatus inklusive

    Ferritin

  • Vitamin B12

  • Folsäure

  • Blutzucker bzw. HbA1c

  • gegebenenfalls Schilddrüsenwerte


Welche Laboruntersuchungen tatsächlich notwendig sind, sollte individuell entschieden werden. Eine möglichst breite, ungezielte Labordiagnostik ist nicht bei jedem Patienten erforderlich.


Mundtrockenheit als Ursache


Eine verminderte Speichelproduktion kann ebenfalls zu Brennen und Missempfindungen der Mundschleimhaut führen.


Mögliche Ursachen einer Mundtrockenheit sind unter anderem:


  • bestimmte Medikamente

  • Flüssigkeitsmangel

  • Mundatmung

  • Erkrankungen der Speicheldrüsen

  • Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom


Dabei ist wichtig zu unterscheiden, ob tatsächlich zu wenig Speichel produziert wird oder lediglich das subjektive Gefühl eines trockenen Mundes besteht.


Können Medikamente Zungenbrennen verursachen?


Auch Medikamente können eine Rolle spielen – beispielsweise indirekt durch Mundtrockenheit oder Veränderungen der Mundschleimhaut.

Deshalb gehört eine genaue Medikamentenanamnese zur Abklärung.

Medikamente sollten jedoch nicht eigenständig abgesetzt werden. Besteht der Verdacht auf einen Zusammenhang, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geprüft werden, ob eine Anpassung sinnvoll ist.


Welche Rolle spielen Hormone und Wechseljahre?


Das Burning-Mouth-Syndrom tritt besonders häufig bei Frauen während und nach der Menopause auf.

Ein Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen ist naheliegend und wird diskutiert. Die genaue Bedeutung hormoneller Faktoren ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Eine Hormonersatztherapie ist deshalb keine allgemeine Standardbehandlung des Burning-Mouth-Syndroms.


Was ist das Burning-Mouth-Syndrom?


Von einem Burning-Mouth-Syndrom spricht man bei länger bestehenden brennenden oder schmerzhaften Missempfindungen der Mundschleimhaut, obwohl bei der klinischen Untersuchung keine entsprechende Schleimhauterkrankung gefunden werden kann.

Häufig betrifft das Brennen die Zunge, weshalb auch Begriffe wie Glossodynie oder „Burning Tongue“ verwendet werden.

Das primäre Burning-Mouth-Syndrom wird heute zunehmend als neuropathisches Schmerzsyndrom verstanden. Veränderungen der peripheren und zentralen Schmerzverarbeitung scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen.

Typischerweise besteht ein deutlicher Gegensatz zwischen den Beschwerden des Patienten und dem Untersuchungsbefund:

Die Zunge brennt – sieht aber völlig unauffällig aus.

Gerade diese Situation kann für Betroffene frustrierend sein. Ein normaler Schleimhautbefund bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind.


Ist Zungenbrennen psychisch bedingt?


Diese Frage beschäftigt meiner Erfahrung nach viele Patienten – insbesondere dann, wenn trotz monate- oder jahrelanger ärztlicher Abklärung keine Ursache für die Beschwerden gefunden wurde.

Tatsächlich treten bei Menschen mit Burning-Mouth-Syndrom Angststörungen, depressive Symptome, Schlafstörungen und chronischer Stress häufiger auf. Daraus sollte jedoch nicht geschlossen werden, dass die Beschwerden „psychisch“ verursacht werden.

Heute wird vielmehr von einem komplexen Zusammenspiel zwischen Nervensystem, Schmerzverarbeitung und psychosozialen Faktoren ausgegangen.

Psychische Belastungen können Schmerzen verstärken – genauso wie chronische Schmerzen wiederum Schlaf, Stimmung und Lebensqualität beeinträchtigen können.


Wie erfolgt die Abklärung?


Für mich ist bei Patienten mit Zungenbrennen zunächst entscheidend, behandelbare Ursachen zu finden und die Symptome nicht vorschnell als Burning-Mouth-Syndrom einzuordnen.

Am Anfang steht deshalb eine genaue Untersuchung der gesamten Mundhöhle und nicht nur der Zunge.


Dabei achte ich unter anderem auf:


  • sichtbare Schleimhautveränderungen

  • Rötungen und Erosionen

  • Beläge

  • Zeichen einer Pilzinfektion

  • Lichen planus oder lichenoide Veränderungen

  • mechanische Irritationen

  • Zustand der Zähne und des Zahnersatzes

  • Speichel und Mundtrockenheit


Abhängig vom Befund können anschließend gezielt weitere Untersuchungen erfolgen.

Dazu gehören beispielsweise:


  • Blutuntersuchungen

  • mikrobiologische Abstriche

  • Allergiediagnostik in ausgewählten Fällen

  • weitere Abklärung einer Mundtrockenheit

  • selten eine Gewebeprobe (Biopsie)


Eine Biopsie ist bei einer klinisch vollkommen unauffälligen Zunge normalerweise nicht erforderlich. Besteht jedoch eine umschriebene oder verdächtige Schleimhautveränderung, kann eine histologische Abklärung sinnvoll sein.


Wie wird Zungenbrennen behandelt?


Die Therapie richtet sich zunächst nach der Ursache.

Wird beispielsweise ein Eisen- oder Vitaminmangel festgestellt, sollte dieser gezielt behandelt werden. Gleiches gilt für eine Pilzinfektion, ausgeprägte Mundtrockenheit oder eine entzündliche Erkrankung der Mundschleimhaut.

Anders ist die Situation beim primären Burning-Mouth-Syndrom.

Hier existiert leider keine einzelne Therapie, die bei allen Patienten zuverlässig wirkt. Die Behandlung muss deshalb individuell erfolgen.


Behandlung des Burning-Mouth-Syndroms


Je nach Beschwerdebild kommen unterschiedliche Therapieansätze infrage.

Untersucht wurden unter anderem:


  • lokal angewendetes Clonazepam

  • bestimmte Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen

  • Alpha-Liponsäure

  • psychologische bzw. verhaltenstherapeutische Verfahren

  • Photobiomodulation (Low-Level-Lasertherapie)


Die wissenschaftliche Evidenz für die einzelnen Verfahren ist unterschiedlich und teilweise begrenzt.

Deshalb ist es wichtig, realistische Erwartungen zu formulieren: Ziel der Behandlung ist häufig nicht die sofortige vollständige Beschwerdefreiheit, sondern eine schrittweise und klinisch relevante Reduktion des Brennens.


Photobiomodulation bei Burning-Mouth-Syndrom


Eine neuere Behandlungsmöglichkeit ist die Photobiomodulation (PBM), auch Low-Level-Lasertherapie genannt.

Dabei wird die schmerzhafte Mundschleimhaut mit niedrigenergetischem Laserlicht behandelt. Anders als bei einem chirurgischen Laser wird dabei kein Gewebe geschnitten oder verödet. Die Lichtenergie soll biologische Prozesse in den Zellen beeinflussen und insbesondere die Schmerzverarbeitung modulieren.

Mehrere klinische Studien und systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Photobiomodulation bei einem Teil der Patienten die Schmerzintensität reduzieren und die Lebensqualität verbessern kann.

Die Ergebnisse sind allerdings nicht bei allen Patienten gleich. Zudem unterscheiden sich die untersuchten Behandlungsprotokolle hinsichtlich Wellenlänge, Energiedosis und Anzahl der Sitzungen deutlich.

Die Photobiomodulation sollte deshalb derzeit als mögliche Therapieoption bei entsprechend ausgewählten Patienten verstanden werden und nicht als garantierte Behandlung des Burning-Mouth-Syndroms.


Wie lange dauert ein Burning-Mouth-Syndrom?


Der Verlauf ist sehr unterschiedlich.

Bei manchen Patienten bessern sich die Beschwerden innerhalb einiger Monate, bei anderen können sie über Jahre bestehen.

Charakteristisch sind Schwankungen der Intensität. Gute und schlechte Phasen können sich abwechseln.

Gerade bei länger bestehenden Beschwerden ist deshalb ein strukturiertes Vorgehen sinnvoll: Zunächst werden behandelbare Ursachen ausgeschlossen und anschließend gemeinsam eine individuell passende Strategie zur Symptomkontrolle entwickelt.


Was kann ich selbst gegen Zungenbrennen tun?


Manche Patienten bemerken eine Verschlechterung durch bestimmte Nahrungs- oder Genussmittel.

Hilfreich kann sein, individuell problematische Auslöser zu reduzieren, beispielsweise:


  • sehr scharfe Speisen

  • stark saure Lebensmittel

  • hochprozentigen Alkohol

  • Rauchen

  • alkoholhaltige Mundspüllösungen


Bei Mundtrockenheit können regelmäßiges Trinken und eine geeignete Schleimhautpflege hilfreich sein.

Von immer neuen Nahrungsergänzungsmitteln ohne nachgewiesenen Mangel würde ich dagegen abraten. Gerade bei chronischem Zungenbrennen führt die Suche nach immer neuen vermeintlichen Mangelzuständen häufig nicht zum Ziel.


Sie sind nicht allein


Zungenbrennen und das Burning-Mouth-Syndrom sind keineswegs selten. Je nach untersuchter Bevölkerungsgruppe und verwendeten Diagnosekriterien leiden etwa 1–4 % der Bevölkerung darunter. Besonders häufig betroffen sind Frauen ab dem mittleren Lebensalter und nach der Menopause.

Viele Betroffene haben bereits eine längere Suche nach einer Ursache hinter sich. Gerade wenn die Zunge völlig normal aussieht, können die Beschwerden für Patienten und ihr Umfeld schwer nachvollziehbar sein. Die Schmerzen und Missempfindungen sind dennoch real und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.



Zungenbrennen – Abklärung und Behandlung in meiner Ordination


Bei Patienten mit Zungenbrennen steht für mich zunächst die Frage im Vordergrund:

Liegt eine erkennbare und behandelbare Ursache vor – oder handelt es sich um ein primäres Burning-Mouth-Syndrom?

Dafür untersuche ich die Mundschleimhaut sorgfältig und ergänze die Diagnostik abhängig vom individuellen Befund.

Wird eine konkrete Ursache gefunden, erfolgt eine gezielte Behandlung. Bei einem Burning-Mouth-Syndrom bespreche ich mit Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten einer symptomorientierten Therapie.

Als zusätzliche Behandlungsoption biete ich bei geeigneten Patienten auch eine Photobiomodulation mittels Low-Level-Laser an. Dabei ist mir wichtig, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen dieser Therapie realistisch zu besprechen.


Häufige Fragen zum Zungenbrennen (FAQ)


Warum brennt meine Zunge, obwohl man nichts sieht?

Eine vollkommen unauffällige Zunge trotz deutlicher Beschwerden ist typisch für ein Burning-Mouth-Syndrom. Bevor diese Diagnose gestellt wird, sollten jedoch andere Ursachen wie Mangelzustände, Mundtrockenheit, Infektionen oder Schleimhauterkrankungen ausgeschlossen werden.


Welcher Vitaminmangel verursacht Zungenbrennen?

Unter anderem können ein Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Eisen mit Zungenbeschwerden verbunden sein. Ob tatsächlich ein Mangel besteht, lässt sich durch eine gezielte Blutuntersuchung feststellen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ohne nachgewiesenen Mangel ist nicht automatisch sinnvoll.


Kann Zungenbrennen durch einen Pilz verursacht werden?

Ja. Eine orale Candidose kann Brennen der Zunge und Mundschleimhaut verursachen. Sie lässt sich durch die klinische Untersuchung und gegebenenfalls einen Abstrich diagnostizieren.


Kann Zungenbrennen von Stress kommen?

Stress und psychische Belastungen können die Wahrnehmung chronischer Schmerzen beeinflussen. Ein Burning-Mouth-Syndrom sollte jedoch nicht vorschnell als rein psychisches Problem betrachtet werden.


Ist Burning-Mouth-Syndrom gefährlich?

Ein primäres Burning-Mouth-Syndrom ist keine bösartige Erkrankung und führt nicht zu Mundhöhlenkrebs. Wichtig ist jedoch, vor dieser Diagnose andere Erkrankungen der Mundschleimhaut sorgfältig auszuschließen.


Kann Zungenbrennen ein Zeichen von Mundhöhlenkrebs sein?

Zungenbrennen allein ist kein typisches Zeichen eines Mundhöhlenkarzinoms. Eine länger bestehende sichtbare Schleimhautveränderung, ein nicht heilendes Geschwür, eine Verhärtung oder eine einseitige Veränderung sollte jedoch immer ärztlich untersucht werden.


Hilft Lasertherapie gegen Zungenbrennen?

Für die Photobiomodulation zeigen klinische Studien Hinweise auf eine Verringerung der Schmerzen beim Burning-Mouth-Syndrom. Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch noch nicht ausreichend, um einen Behandlungserfolg bei jedem Patienten vorherzusagen.


Wie viele Laserbehandlungen sind notwendig?

Die in Studien verwendeten Protokolle unterscheiden sich erheblich. In der Regel erfolgt die Photobiomodulation in mehreren Sitzungen. Anzahl und Abstand der Behandlungen sollten individuell festgelegt werden.


Zu welchem Arzt gehe ich mit Zungenbrennen?

Bei länger anhaltendem Zungenbrennen sollte eine sorgfältige Untersuchung der Mundhöhle erfolgen. Ansprechpartner können insbesondere Ärzte mit Erfahrung in Erkrankungen der Mundschleimhaut sowie entsprechend spezialisierte HNO-, Zahn- oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Einrichtungen sein.

 
 
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